von Thomas Nacke
, 23. September 2025

Interview mit Tadeusz Nikitin

Tadeusz Nikitin Seriengründer

Lieber Tadeusz, wir danken Dir, dass Du Dir Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Als erfolgreicher Unternehmer hast Du in den letzten 10 Jahren 7 Unternehmensneugründungen erfolgreich auf den Weg gebracht.

Kannst Du den Lesern ein wenig über die Unternehmen und deren Angebote erzählen?

Die Unternehmen sind in der digitalen Wirtschaft tätig und bieten ein umfangreiches Spektrum an digitalen Services an. Diese reichen von klassischen IT-Beratungen und IT-Infrastrukturleistungen über Business Cloudlösungen und Hosting bis zu Web-Agentur-Dienstleistungen. Darüber hinaus entwickelt die Splitbot GmbH KI-basierte Software für die Digitalisierung und Automatisierung von Verwaltungsprozessen. Stolz sind wir besonders auf KOSMO unserem eigenentwickelten KI-Chatbot.

Wir legen Wert darauf, dass sich die Unternehmen in Ihren Leistungen sinnvoll ergänzen und wir unsere Dienstleistungen möglichst autark anbieten können. Durch unser breit aufgestelltes Portfolio erreichen wir eine Resilienz, die flexibles und nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht.

Unseren Kunden aus Wirtschaft und Verwaltung können wir sowohl Full-Service im Bereich IT – Outsourcing als auch modulare Leistungspakete anbieten.

Insgesamt beschäftigen wir ca. 50 Mitarbeiter an sechs Standorten in Norddeutschland. Davon sind 30 Mitarbeiter an unserem größten Standort in Lübeck beschäftigt. Hier sind neben der Kontor Business IT & Web und der Splitbot GmbH u.a. Zentralfunktionen ansässig.

Erzähle bitte etwas über Dich und was hat Dich seinerzeit persönlich dazu bewogen Dich selbstständig zu machen?

Ich bin verheiratet und lebe mit meiner Frau und meinen beiden Kindern (5 und 3 Jahre alt) sowie unserem Hund in Heiligenhafen.

Studiert habe ich Informatik und Wirtschaftsinformatik. Bereits während meiner Schulzeit habe ich Webseiten für Kunden programmiert. Ca. 10 Jahre habe ich als IT-Freelancer gearbeitet, bevor ich gemeinsam mit drei Partnern 2014 die HanDS in Hamburg gründete. Dies war die Geburtsstunde für mich als Unternehmer. Das Arbeiten als Angestellter in einem Unternehmen, war für mich nie eine wirkliche Alternative.

Als Ausgleich zu meiner fordernden Tätigkeit verbringe ich Zeit mit meiner Familie, mache lange Spaziergänge mit meinem Hund und versuche, wann immer möglich, meiner Leidenschaft als Segler nachzugehen.

Welche grundsätzlichen Herausforderungen musstest Du bei den Gründungen meistern?

Ich glaube, dass die Herausforderungen für eine Gründung überschaubar sind. Die viel gescholtene Bürokratie in unserem Land hat auch einen wesentlichen Vorteil, sie gibt Gründern Struktur und Klarheit, in dem was bei der Gründung zu beachten ist.

Bei meiner ersten Gründung habe ich mich, neben eigener Internetrecherche, mit Fachleuten ausgetauscht, um die richtige Unternehmensform zu wählen und die notwendigen Schritte zu unternehmen. Die Erstellung des ersten Businessplans war besonders spannend. Wir (die 4 Gründer) haben seinerzeit viel Zeit und Energie in die Erstellung des Businessplans für die HanDS in Hamburg gesteckt.

Während einer Präsentation vor Mitgliedern der „Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein e.V.“ hattest Du 3 Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gründung genannt:  TEAM, PASSION und FOKUS. Diese sind für Dich aus eigener Erfahrung wesentlich im Hinblick auf eine erfolgreiche Gründung.

Kannst du zukünftigen Unternehmensgründern sagen, was sich dahinter verbirgt und warum diese 3 Kernbotschaften aus Deiner Sicht für eine erfolgreiche Gründung wichtig sind?

Zuerst einmal sollte jeder Gründer die eigene Familie hinter sich wissen. Gründung bedeutet volle Hingabe, viele Überstunden und Unsicherheiten. Nur wenn die Familie hundertprozentig hinter einem steht und das „Ganze“ mitträgt, wird man als Gründer letztendlich erfolgreich sein.

Davon ausgehend gibt es nach meiner Erfahrung 3 Säulen, die für den Erfolg einer Gründung wichtig sind:

  • Passion:

Begeisterung für die Realisierung der eigenen Geschäftsidee bildet den Treibstoff einer erfolgreichen Gründung. Ich muss als Gründer für meine Idee im wahrsten Sinne „brennen“. Ohne echte Leidenschaft wird die eigene Unternehmung die unvermeidlichen Herausforderungen nicht überstehen. Die eigene Begeisterung für die Vision ist der Rückenwind in schwierigen Phasen.

  • Team:

Das eigene Team sollte divers aufgestellt sein, damit sich fachliche Expertise und soziale Kompetenzen ebenso sinnvoll ergänzen, wie unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Denkweisen. Dies führt zu höherer Innovationskraft und besserer Problemlösungsfähigkeit, was wiederum die Leistungsfähigkeit und Profitabilität steigert.

Die passenden Mitarbeiter zu finden und diese dann auch im Unternehmen zu halten ist heute wichtiger denn je. Das ist aus meiner Sicht nur möglich, wenn das Umfeld und Angebot für die Mitarbeiter stimmen. Als Arbeitgeber sind wir stolz darauf einen „kununu – Score“ von 4.7 erreicht zu haben.

Neben dem internen Team ist auch ein breites Netzwerk an Partnern, als quasi externes Team, wichtig für den Erfolg des Unternehmens.

  • “Last but least” Fokus:

Gründer müssen sich auf die Dinge fokussieren, die für den Erfolg ihres Start-ups notwendig sind. Es gibt keinen Grund alles selbst zu machen. Vielmehr sollte man sich als Gründer auf den Kern wertschöpfender Aufgaben fokussieren, um mittelfristig profitables Wachstum zu ermöglichen. Nicht wertschöpfende Aufgaben, überlässt man als Gründer am besten Netzwerk-Partnern, die das viel besser können. Ein Beispiel aus der Praxis: Die Umsatzsteuervoranmeldung macht ein Steuerberater und nicht der Gründer selbst.

Wie ist seinerzeit der Kontakt zwischen Dir und den „Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein e.V.“ entstanden?

Uwe Böttcher (Uwe Böttcher – Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein) habe ich bei einer Gateway49-Veranstaltung kennen und schätzen gelernt. Uwe hat mich im August zu einer Mentoren-Konferenz im TZL Lübeck eingeladen (Mentoren treffen sich im TZL Lübeck – Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein), auf der ich eine Key-note mit meinen Erfahrungen als erfolgreicher Gründer und die „Does and Don’ts“ halten durfte.

Im Anschluss hatten wir Gelegenheit zu Netzwerken. Der Austausch und die Diskussionen mit den Mentoren haben mir damals sehr gut gefallen.

Würdest Du Gründern empfehlen die „Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein e.V.“ als ehrenamtliche Berater zu kontaktieren?

Ja, in jedem Fall. Ich empfehle jedem Gründer Beratungsleistungen, die in Schleswig-Holstein angeboten werden zu prüfen und zu nutzen, unabhängig davon wer diese Leistungen anbietet.

Die Mentoren, als ehemalige Unternehmer und leitende Führungskräfte, verfügen über langjährige Geschäftserfahrungen und zahlreiche Kompetenzen sowie regionale Netzwerke.

Diese können sehr hilfreich sein, um z.B. „Stolpersteine“ bei der Gründung und auf dem Weg zu einem dauerhaften Erfolg des Unternehmens zu vermeiden. Oder sie bieten sich einfach als „Sparringspartner“ an, mit dem ich mich als Gründer austauschen kann.

Da die Mentoren ehrenamtlich tätig sind, verlangen diese, obwohl sie über einen breiten Erfahrungsfundus verfügen, für Ihren Service nur eine geringe Aufwandspauschale. Der Aufwand für ihre Unterstützung hält sich somit in Grenzen.

Zusammenfassend: Was empfiehlst Du Menschen, die mit dem Gedanken spielen zu gründen oder gerade die ersten Schritte gehen?

  • „Lebt“ die bereits erwähnten drei Grundpfeiler für eine erfolgreiche Unternehmensgründung – Passion, Team und Fokus.
  • „Never found alone” – Gründet möglichst nicht allein. Sondern sucht Euch Gründungspartner, um Euch gegenseitig zu ergänzen. Sei es im Hinblick auf fachliche und soziale Kompetenzen oder einfach nur um unterschiedliche Sichtweisen konstruktiv zu teilen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass 1 plus 1 mehr als 2 ergibt.
  • Informiert Euch frühzeitig zu Beratungsangeboten, auch wenn ihr glaubt, schon alles zu wissen.
  • Baut Netzwerke auf und sucht Euch von Anfang an Mentoren und Berater, denen ihr vertraut und die Euch wirklich helfen. Sprecht mit ihnen. Das spart Zeit und vermeidet teure Fehler.
  • Erarbeitet einen Businessplan. Der Businessplan ist nicht nur wichtig für Banken, Investoren und Fördermittel, er ist auch unverzichtbar für die eigene Selbstreflexion. Falls Ihr nicht genau wisst, wie das geht, sprecht mit erfahrenen Beratern und Mentoren. Diese können Euch bei der Erstellung eines Businessplans helfen. Sie bewerten euren Businessplan kritisch im Hinblick auf Realisierbarkeit, erarbeiten mit Euch notwendige Anpassungen, kennen mögliche Fördermittelangebote und unterstützen, wenn nötig, bei Bankengesprächen.
  • Und denkt immer daran, eure Produkte und Dienstleistungen müssen am Ende von Kunden gekauft werden. Was ist euer Alleinstellungsmerkmal? Definiert eure Zielgruppe(n), analysiert den Wettbewerb und das möglicherweise bereits vorhandene Marktpreisniveau. Werdet Euch klar darüber, wie Ihr Eure Kunden erfolgreich erreichen könnt und Umsätze erzielt. So banal es klingt: Die schönsten Produkte, die besten Dienstleistungen sind nichts wert, wenn diese nicht ihre Kunden finden. Sucht Euch auch hierfür Partner, die mit ihren Erfahrungen und Netzwerken unterstützen können.
  • Vergesst niemals: „Erfolg ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Unterschätzt dabei nicht Euer Netzwerk – der Austausch mit anderen ist oft Gold wert“.

Tadeusz, vielen Dank für das offene Interview und die Inputs für Gründer und die, die es werden wollen.

Das Team am Standort Lübeck


Thomas Nacke

Ehrenamtlicher Mentor für Unternehmen in Schleswig-Holstein seit 2023.