Mit über 50 erfolgreich selbstständig machen? Ja!

Moin, Herr Jan Philipp Bridstrup,
danke, dass Sie sich heute Zeit nehmen, um ein wenig von Ihrem späten Weg in die Selbstständigkeit und der dabei erfahrenen Zusammenarbeit mit den Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein e.V. preiszugeben.
Wer ist Picobellos? Erzählen Sie den Lesern und Leserinnen von der Geschäftsidee und dem Geschäftskonzept
Picobellos ist ein Kieler Dienstleister für Hausverwaltungen und Privatpersonen. Unser Leistungsspektrum reicht von haushaltsnahen Dienstleistungen über Hausmeisterservice und Gartenpflege bis hin zu Montage- und Demontagearbeiten.
Zusätzlich bieten wir Feuchtigkeitsmessungen und Langzeit-Klimadatenerfassung in Gebäuden. Dieser Service wird insbesondere im Zusammenhang mit Schimmelproblemen nachgefragt.
Kurzum: Picobellos ist der Dienstleister, den Sie als Kunde anrufen, wenn Sie nicht mehr wissen, wen Sie anrufen können.
Wer sind Sie und was hat Sie dazu bewogen, sich selbstständig zu machen und Picobellos zu gründen?
Nach meinen Ausbildungen zum Schiffskaufmann und zum Gas- & Wasserinstallateur habe ich viele Jahre als Projektleiter in der Brand- und Wasserschadensanierung gearbeitet.
Die permanente Belastung, zeitweise mit bis zu 160 Fällen parallel, sowie die oft belastenden Schicksale der betroffenen Familien führten schließlich zu einem Burnout.
Ich stand vor der Entscheidung, so weiterzumachen wie bisher, oder beruflich neu anzufangen. Mit über 50 war das kein leichter Schritt. 2024 fiel dann die Entscheidung: Ich wollte mich neu orientieren und mich in einem Bereich selbstständig machen, in dem ich mich fachlich auskenne und mit Freude arbeite.
Meine Familie hat mich bei diesem Schritt von Anfang an unterstützt.
Wie entstand die Idee der Zusammenarbeit mit den Mentoren?
Mein Vater, ehemaliger Geschäftsführer des Ausbildungszentrums Bau e.V., kannte die Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein e.V. und empfahl mir, dort Kontakt aufzunehmen.
Dadurch entstand der erste Austausch mit Herrn Hans-Günter Petersen und eine enge intensive Zusammenarbeit.
Welche Herausforderungen mussten Sie von der Gründung bis heute meistern?
Nach der Erstellung meines Businessplans habe ich die Finanzierung bei verschiedenen Kreditinstituten angefragt. Leider ohne Erfolg: Die Geschäftsidee wurde dort als zu risikobehaftet eingeschätzt.
Gemeinsam mit Herrn Petersen von den Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein e.V. haben wir anschließend eine alternative Lösung entwickelt, die die notwendigen Investitionen möglich machte. Heute bin ich darüber sehr froh, denn dadurch bin ich unabhängig von externen Kreditgebern.
Eine weitere Herausforderung war die Kundengewinnung. Denn selbst das beste Angebot entfaltet seinen Wert erst dann, wenn es die richtigen Kunden erreicht.
Das Akquirieren neuer Kunden verlief letztlich leichter, als zunächst erwartet. Viele gewerbliche Kunden, insbesondere Hausverwaltungen, kannte ich bereits aus meiner früheren Tätigkeit. Die direkte Ansprache hat mir hier viele Türen geöffnet.
Privatkunden erreiche ich vor allem über klassische Werbung, meine professionell gestaltete Website und digitale Kommunikation. Inzwischen kommen viele neue Kunden auch über persönliche Empfehlungen.
Bereits im ersten Jahr konnte ich meine Wachstumsziele deutlich übertreffen.
Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit den Mentoren beurteilen und was schätzen Sie als besonders positiv ein?
Mein Mentor Hans-Günter Petersen hat mich auf zwei Ebenen unterstützt: fachlich und menschlich.
Fachlich half er mir dabei, die notwendige Finanzierung für mein Vorhaben auf den Weg zu bringen. Er hinterfragte meinen Businessplan kritisch, bereitete gemeinsam mit mir Bankgespräche vor und entwickelte mit mir eine kreative Finanzierungslösung als klassische Kreditinstitute ablehnten.
Mindestens ebenso wichtig war seine menschliche Unterstützung. Herr Petersen hat mir Mut zugesprochen, wenn ich im Gründungsprozess an meine Grenzen kam. Mit seiner ruhigen und besonnenen Art hat er immer wieder dazu beigetragen, gemeinsam tragfähige Lösungen zu erarbeiten.
Dafür bin ich ihm persönlich sehr dankbar.
Wenn Sie 36 Monate vorausschauen: Wo soll Picobellos dann stehen?
Picobellos soll in drei Jahren bei vielen Kieler Hausverwaltungen und Privatpersonen als verlässlicher Ansprechpartner für Lösungen rund ums Haus bekannt sein.
Das Unternehmen soll gesund wachsen und neue qualifizierte sowie motivierte Mitarbeiter sollen dazu beitragen, den guten Ruf von Picobellos langfristig zu sichern.
Darüber hinaus möchte ich meine besondere Kompetenz bei der Beurteilung von Feuchtigkeitsschäden und Schimmel weiter ausbauen und gezielt für weiteres Wachstum nutzen.
Würden Sie die Mentoren weiterempfehlen und warum?
Auf jeden Fall. Ich bin überzeugt, dass der Weg in die Selbstständigkeit ohne die Begleitung durch Herrn Petersen deutlich schwieriger gewesen wäre.
Möglicherweise hätten mich gerade die Herausforderungen bei der Finanzierung sonst sogar dazu gebracht, aufzugeben.
Auch heute stehe ich noch in Kontakt mit Herrn Petersen und schätze es sehr, seine Erfahrung und Kompetenz bei Bedarf weiter nutzen zu können. Manchmal reicht schon ein kurzer Austausch, um neue Klarheit zu gewinnen.
Zurückblickend: Was würden Sie Menschen raten, die sich selbstständig machen möchten?
Wenn Sie eine Geschäftsidee haben, von der Sie überzeugt sind, und wenn Sie für diese Idee wirklich brennen, dann wagen Sie den Schritt in die Selbstständigkeit.
Wichtig ist dabei, sich frühzeitig ein stabiles Netzwerk aufzubauen.
Suchen Sie den Austausch mit der IHK, der Handwerkskammer, den Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein e.V. sowie weiteren Expertinnen und Experten für Gründung und Selbstständigkeit.
Diese Unterstützung hilft dabei, Fehler zu vermeiden, Zeit und Geld zu sparen und Chancen zu erkennen, die man allein womöglich übersehen hätte.

