Mentoren-Mahlzeit 2015

Rund 70 Gäste kamen am 10.12.15 zur traditionellen Mentoren-Mahlzeit im Kieler Hotel Conti Hansa. Seit mehr als 10 Jahren treffen sich Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik um das ehrenamtliche Engagement der Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein zu würdigen. In ihrer  Begrüßungsrede  hob die 1. Vorsitzende Dorothee Thomanek die Unterschiede zwischen ehrenamtlich agierenden Mentoren und gewerblichen Unternehmensberatern hervor und betonte die Wichtigkeit mutigen unternehmerischen Handelns.

„Unternehmertum war in allen Zeiten komplex“ – so Dorothee Thomanek – „nur die Rahmenbedingungen und Risiken haben sich geändert. Risiko ist allgegenwärtig. Jede Geschäftsidee, jedes neue Produkt, jedes innovative Produktionsverfahren trägt das Risiko des Scheiterns in sich. Wenn wir keine unternehmerischen Risiken mehr eingehen, verzichten wir auf Innovation, Fortschritt und auf jede Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen. Damit Unternehmen mit Risiken verantwortungsvoll umgehen können, bedarf es umfassender Expertise. Hier kommen die Mentoren zum Einsatz! Wirtschaft und Politik sollten sich gemeinsam dafür einsetzen, alle gesellschaftlichen Akteure vom Nutzen der bewussten und verantwortlichen Übernahme unternehmerischen Handelns zu überzeugen. Wir Mentoren helfen gerne dabei!“

Mit seiner Rede sorgte Festredner Klaus-Hinrich Vater, Präsident der IHK zu Kiel, für viel Gesprächsstoff an den Tischen. Es waren nicht nur die interessanten Einblicke in seinen ganz persönlichen Werdegang oder die „Goldenen Regeln für erfolgreiche Unternehmen“, sondern  die Zahlen, Ausblicke auf neue Tätigkeitsfelder für die IHK und Mentoren sowie die Forderungen, die die IHK-Organisation an die Politik gestellt hat, die die Gemüter bewegten.

O-Ton Klaus-Hinrich Vater: „So weit, so gut? Leider nein. Sie, die Mentoren, und wir, die IHK, können noch so viele Angebote bereitstellen, letztlich haben die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen entscheidenden Einfluss auf die Dynamik des Gründungsgeschehens. Deshalb muss die Politik mehr Verantwortung übernehmen und Voraussetzungen für eine lebendige Gründungskultur schaffen. Ein wichtiger Baustein hierfür: Bürokratieabbau.

Der DIHK hat in seinem Gründerreport 2015 verschiedene Vorschläge unterbreitet, um junge Unternehmen und Existenzgründer von Bürokratie zu entlasten:

  • Der Wegfall der monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung für Existenzgründer zählt dazu.
  • Außerdem sollte die steuerliche Kleinunternehmergrenze erhöht werden.
  • Förderlich wäre auch eine Vermeidung von Doppelmeldungen zur Berufsgenossenschaft. Trotz der Weiterleitung der Gewerbeanmeldung an nachgelagerte Behörden müssen sich Existenzgründer eine Woche nach Gründung bei der Berufsgenossenschaft anmelden. Diese Meldung ist überflüssig.

All diese kleinen – operativen – Schritte können den Start in das Unternehmerleben erheblich erleichtern und bürokratische Hürden verringern. Sie stehen beispielhaft für viele weitere Verbesserungsmöglichkeiten.

Es geht aber nicht nur um operative Änderungen, meine Damen und Herren. Verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine wachstumsorientierte Gründungspolitik tragen zu einer Kultur der Selbstständigkeit bei. Deshalb mahnt der DIHK mehr Wertschätzung für Unternehmertum in Politik und Verwaltung an. Wir benötigen in Deutschland einen stärkeren Dialog zwischen Unternehmern einerseits sowie Schulen, Hochschulen, Regierungen und Parlamenten andererseits.

Nun, was verspreche ich mir von diesem Dialog?

Um Gründer und mittelständische Unternehmen als Impulsgeber für Innovation und Wachstum zu stärken, müssen Unternehmen in den Verwaltungen kompetente Ansprechpartner finden. Und um unserer Gesellschaft, die von einem starken Mittelstand getragen wird, auch in Zukunft Wohlstand zu sichern, zählen Gründungskultur und das Selbstverständnis von Unternehmertum für mich zu den Pflicht-Lerninhalten im Bildungssystem. Lassen Sie uns dafür werben, diese Themen fest zu verankern! Mit Bildung schaffen wir ein Fundament für nachhaltiges Gründerklima: „Selbstständigkeit“, „Wirtschaft“ und die Vermittlung eines realistischen Unternehmerbildes gehören bundesweit in die Lehrpläne. Know-how und Interesse am Unternehmertum erhöhen Gründungschancen, sichern Fachkräftenachwuchs, sind Basis für Gründungen mit Innovationspotenzial und legen den Grundstein für die immens wichtigen Betriebsnachfolgen.

Gleiches gilt natürlich auch für die Hochschulen. Wobei hier noch hinzukommt, dass die Hochschulen selbst Ausgründungen mit Partnern aus der Wirtschaft und den IHKs als Mittler systematisch begleiten sollten. Klare Zielvereinbarungen sind hierbei ein geeignetes Mittel.“

Es war ein hoch interessantes Mittagessen mit vielen guten Gesprächen, leckerem Essen, förhlichen Gästen und einer Perspektive auf eine noch weiter auszubauende zukünftige Zusammenarbeit mit der IHK.