Mit alternativen Finanzierungsformen Basel III begegnen

Schrittweise treten seit Anfang des Jahres in Europa die neuen Vorschriften von Basel III in Kraft. Kreditinstitute müssen höhere Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften erfüllen – das beeinflusst die Kreditvergabe an Unternehmen. Auf Unternehmen mit mittlerer bis niedriger Rückzahlungsfähigkeit oder mit schwer abschätzbaren Innovationsvorhaben können höhere Finanzierungskosten zukommen. Auch wenn derzeit die Situation bei der Unternehmensfinanzierung in Deutschland günstig ist, sollten sich Unternehmen wappnen – z. B. durch eine gute Mischung von Finanzierungsinstrumenten. Dabei geht es nicht um eine Konkurrenz zum Bankkredit, im Gegenteil: Durch den richtigen Einsatz alternativer Finanzierungsformen können Unternehmen auch ihr Rating und ihre Bonität positiv beeinflussen.

Factoring und Leasing entlasten die Bilanz

Mit Factoring wiederum kann ein Unternehmen seine Liquidität verbessern. Es verkauft seine Forderungen, anstatt auf die Zahlung des Schuldners zu warten. Beim echten Factoring übernimmt der Factoringdienstleister auch das Ausfallrisiko. In Deutschland wurden 2012 bereits Umsatzerlöse in Höhe von fast 160 Milliarden Euro auf diese Weise weitergereicht. Factoring führt häufig zu einer spürbaren Entlastung der Passivseite der Bilanz, weil ausstehende Forderungen nicht mehr über Bankkredite zwischenfinanziert werden müssen. Das verbessert die Eigenkapitalquote und damit in vielen Fällen auch das Rating des Unternehmens. Für Anlagevermögen wird eine ähnliche Wirkung durch Leasing erzielt: Weder das Leasingobjekt noch die Verpflichtungen aus dem Leasinggeschäft belasten die Bilanz. Das hat positive Auswirkungen auf wichtige Kennzahlen und insbesondere auch hier auf die Eigenkapitalquote. Zuletzt wurden bereits neue Investitionen in Höhe von 49 Milliarden Euro auf diesem Weg finanziert.

Wagniskapital für Innovationsfinanzierung nötig

Gerade für innovative – und damit zwangsläufig riskantere – Projekte kann es durch Basel III noch schwerer werden, eine ausreichende Finanzierung zu erhalten. Wagniskapitalgeber werden daher dringend gebraucht. Allerdings besteht für ausländische Kapitalgeber in Deutschland noch immer das Risiko, für ihre Investition möglicherweise gleich doppelt besteuert zu werden – hier und in ihrem Heimatland. Die eingeschränkte Möglichkeit, einen früheren Verlustvortrag nach dem Erwerb eines jungen Unternehmens steuerlich zu nutzen, macht Investitionen gerade in der sensiblen Wachstumsphase unattraktiver.

Die Politik muss das Zusammenspiel weiterhin ermöglichen

Unternehmen können einen geeigneten Finanzierungsmix nur nutzen, wenn die Alternativen tatsächlich zur Verfügung stehen. Dafür muss die Bundesregierung insbesondere für Kapitalgeber bei innovativen Gründungen schnell einen rechtssicheren Rahmen durch ein Wagniskapitalgesetz schaffen. Zudem muss die Politik die Auswirkungen von Basel III auf die Unternehmensfinanzierung genau beobachten, denn selbst bei einer optimalen Gestaltung der Finanzierungsinstrumente brauchen Betriebe weiterhin Zugang zu einer zuverlässigen, langfristigen Kreditversorgung. Bisher begrenzt ein bis 2016 befristeter Korrekturfaktor den Anstieg der Kreditkosten durch Basel III für Kredite bis 1,5 Millionen Euro an kleine und mittlere Unternehmen. Diese Erleichterung sollte unbedingt auch über 2016 hinaus erhalten werden. Basel III schränkt zudem die Möglichkeit ein, aus kurzfristigen Einlagen langfristige Kredite zu vergeben – obwohl dies zu den Kernaufgaben von Banken gehört. Hier muss die Politik die Auswirkungen genau beobachten und im Zweifel nachjustieren.