Pünktlich zum Verbot von Plastik-Wegwerfbechern ab dem 3. Juli 21: Schleswig-Holsteiner Start-up „Capvarii“ bietet nachhaltige Deckel für wiederverwendete Gläser

Die Idee für das Produkt, für das sie extra eine Firma gegründet hat, kam Daniela Prieß am 6. Januar 2020, als sie wie so oft in Eile war und ihren Kaffee unterwegs im Auto trinken wollte. Umweltbewusst trank sie ihren Kaffee damals schon nie aus Wegwerfbechern, sondern immer aus leeren Marmeladengläsern. Wegen der großen Öffnung und den Straßenunebenheiten, stellte sich dies als eine weniger gute Idee heraus. Um weitere Flecken auf der Kleidung zu vermeiden, recherchierte Frau Prieß im Internet nach einer nachhaltigen Lösung, wurde aber auf keiner Plattform fündig. Selbst ist die Frau dachte sie sich und nach einer kreativen Phase und reiflichen Überlegungen wurde „Capvarii“ geboren, ein aufschraubbarer Deckel mit kleiner Trinköffnung, passend auf alle gängigen Marmeladen- und Konservengläser.

„Wir leben diese Idee der Wiederverwendung und Umnutzung von Dingen schon viele Jahre. In Konservengläsern bewahren wir Müsli, Nüsse und überhaupt alles Mögliche auf, denn vom Glas gehen keine bedenklichen Stoffe auf den Inhalt über. Darum transportiere ich darin auch meine Pausensnacks und kann mich neben dem Geschmack des Inhalts auch über dessen Anblick erfreuen. Zudem ist es schön, praktisch und kostenlos. Ich kann auch hin und wieder einfach die Gläser austauschen und wie gewohnt im Altglas entsorgen“, erklärt die 37jährige ihre Motivation.

Um diese Deckel zu produzieren, hat Daniela Prieß im Frühjahr 2020 das Unternehmen “Capvarii“ in Neversdorf bei Bad Oldesloe gegründet. Als geprüfte Wirtschaftsfachwirtin (IHK) kennt sie die Grundlagen der Unternehmensführung. Sie war auch schon einige Jahre in kleineren Bauhandwerks-Unternehmen tätig. Das hatte den Vorteil, dass sie dort für alles, von der Buchhaltung und dem Controlling bis zur täglichen Korrespondenz mit Kunden und Lieferanten zuständig war, was ihr nun sehr zugute kam. „Ansonsten, denke ich, sind meine persönlichen Fähigkeiten hierfür noch entscheidender. Allem voran ein starker Wille und Risikobereitschaft, als auch die Lust am Arbeiten“ betont sie.

Es traf sich gut, dass ihr Mann als Feinwerkmechaniker‑Meister in dem von ihrem Bruder geführten Thermoformen-Werkzeugbau-Unternehmen viel von Konstruktion versteht. So konnte er seiner Frau bei der Entwicklung des „Capvarii-Deckels“ maßgeblich helfen. Das Werkzeug für dessen Herstellung mussten beide allerdings in Auftrag geben. „Wir wollten unbedingt in der Region bleiben und haben glücklicherweise unweit von unserem Wohnort ein Unternehmen gefunden, welches in der Lage ist das sehr aufwändige Werkzeug zu bauen und anschließend die Teile dann auch zu fertigen.“

Trotzdem stellten die enormen Kosten für die Realisierung bis zum fertigen Produkt eine sehr große Herausforderung dar. Doch Daniela Prieß verlor nie den Mut: „Herausforderungen sind spannend, es hat einfach alles Spaß gemacht. Ich habe so viel Neues gelernt. Alles Wissen kann man sich aneignen, oder man fragt die richtigen Leute um Rat. Die Arbeit muss man selbst anpacken, Probleme kann man lösen. Doch bei der Kapitalbeschaffung war ich auf Dritte angewiesen, die ich von meiner Idee überzeugen musste.“

Frau Prieß wandte sich an die „Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein e.V.“, die ehrenamtlich bei Firmengründungen, aber auch bei der Nachfolgesuche, bei einer Finanzierungsrunde oder Umstrukturierung unterstützen. „In der Businessplanphase war mir mein Mentor Uwe Böttcher eine wertvolle Hilfe. Aufgrund seiner Erfahrung aus dem Berufsleben als auch der Mentoren-Tätigkeit wusste er natürlich insbesondere auch, worauf es im Businessplan ankommt und hat mir geholfen, dass dieser korrekt und aussagekräftig wurde und ich erfolgreich einen Gründerkredit beantragen konnte“, fasst sie zusammen.

Ihren Web-Shop „capvarii.de“ konnte Daniela Prieß aufgrund des langen Vorlaufs für den Werkzeugbau erst im April 2021 aktiv am Markt starten Auf die Frage, wie es mit dem jungen Unternehmen jetzt weitergehen soll, zeigt sich die Mutter zweier Kinder optimistisch: „Ich bin motiviert und voller Tatendrang. Natürlich ist viel zu tun, um eine Reichweite zu erzielen, mit der ich deutschlandweit Bekanntheit erlange. Im Moment stehe ich noch ganz am Anfang, aber es haben sich auch schon ein paar neue Türen aufgetan. Und die ersten „Capvarii“-Deckel sind verkauft. Ich bin sehr froh, dass das „normale“ Leben langsam wieder zurückkehrt und somit auch „To-go“ wieder mehr an Bedeutung gewinnt.“

Die Corona-Umstände waren für das Start-up anfangs recht ungünstig. Der Getränkeverzehr „To-go“, war in den letzten Monaten deutlich geringer als üblich, weil die Menschen weniger unterwegs waren. Die Arbeit fand oft im Homeoffice statt und auch das Befüllen der eigenen Mehrwegbecher an Tankstellen oder Bäckereien fiel Corona bedingt oft weg. Hinzu kommt noch der Faktor Kurzarbeit für viele Haushalte, was die Kaufbereitschaft sicher auch ein wenig eingedämmt hat.

Doch die Jungunternehmerin hatte schon von Anfang an die am 3.Juli 2021 in Kraft tretende Gesetzesänderung bzgl. des Verbots zur Herstellung und des Verkaufs von Einwegplastik im Visier. „Ich bin überzeugt von „Capvarii“ als nachhaltige Alternative zu den üblichen Einweg-Bechern. Wir haben Deckel in verschiedenen Größen, passend für fast alle handelsüblichen Marmeladen- und Konservengläser. Zudem bieten wir noch eine praktische Banderole an, um sich bei heißen Getränken nicht die Finger zu verbrennen. Mit Capvarii kann sich jeder seinen individuellen Mehrwegbecher aus Glas herstellen und gleichzeitig weniger Ressourcen verbrauchen.“

gez. Katharina Schoonejans, „Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein e.V.“                     25.06.21, zur Veröffentlichung frei, Belegexemplar erbeten