Große Hilfe für Hilflose

Die Berufsbetreuerin Diana Zwinzscher

 „Ich will Menschen unterstützen, die nicht oder wenig in der Lage sind, sich selbst zu helfen“, beschreibt Diana Zwinzscher ihre Motivation, sich als rechtliche Berufsbetreuerin selbstständig zu machen. Hinzu kam eine immer größer werdende Unzufriedenheit in ihrem alten Beruf als Krankenschwester. „Ich wollte nicht mehr so arbeiten, wie mein Chef es mir vorschrieb“.

Also hat Frau Zwinzscher ihren sicheren, relativ gut bezahlten Job gekündigt und das unter Corona-Bedingungen, wo keiner so recht wusste, wie es weiter geht. Natürlich stellte sie sich auch häufiger die Frage: „Macht das Sinn oder lässt du lieber die Finger davon?“

Besonders bei diesen Zweifeln war ihr Klaus Kophstahl von den Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein eine große Hilfe. „Seine unerschütterliche Zuversicht, dass meine Pläne funktionieren können, haben mich dazu bewogen weiter in Richtung Selbständigkeit zu arbeiten. Er hat mir immer wieder den Rücken gestärkt, immer wieder seine mentale Unterstützung angeboten. Und auch mal etwas verrücktere Ideen sortiert und in die richtige Richtung gebracht, dafür bin ich sehr dankbar“, betont die 60jährige. Zudem empfand sie Kophstahls Tipps, der selber auch noch ehrenamtlicher Betreuer ist, und seine Informationen zur Selbständigkeit und zum Umgang mit Institutionen als sehr wichtig für ihre zukünftige Arbeit.

Diana Zwinzscher kann aber auch auf eigene Erfahrungen in der Betreuung zurückgreifen. „Ich hatte vorher über zwei Jahre ehrenamtlich als Betreuerin gearbeitet und in diesem Rahmen diverse Fortbildungen und Coaching-Veranstaltungen besucht.“

Am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn hat die gebürtige Sachsen-Anhalterin Krankenschwester gelernt. In der Wendezeit ist sie mit ihrem Mann nach Bayern umgezogen, war dort für ihre drei Kinder zu Hause und hat zudem an der Fern-Universität Hagen Soziale Verhaltenswissenschaften und Politikwissenschaften studiert und ihren Abschluss gemacht. Nach dem Tod ihres Mannes 1996 zog es sie in den Norden. Erst nach Hamburg. Dort fand Diana Zwinzscher Arbeit in einer Suchteinrichtung und engagierte sich zudem ehrenamtlich in der Gefangenenhilfe, z.B. in der JVA Fuhlsbüttel. Als die Kinder ganz aus dem Haus waren, ist Zwinzscher dann nach Altenkrempe in Ostholstein gezogen, hat hauptberuflich als Krankenschwester im Maßregelvollzug gearbeitet und ehrenamtlich mit Betreuungen angefangen. Dadurch ist sie zum ersten Mal mit rechtlichen Berufsbetreuern in Kontakt gekommen. „Ich habe mir gedacht, das möchtest du auch machen. Neben meiner Arbeit als rechtliche Berufsbetreuerin führe ich aber auch heute noch sieben ehrenamtliche Betreuungen, das ist mir wichtig.“ Im Rückblick gibt ihr die Summe ihrer Berufserfahrung jetzt das nötige professionelle Rüstzeug für ihren Schritt in die Selbstständigkeit.

Am Anfang war das größte Problem die Finanzierung des Lebensunterhaltes in den ersten Monaten, da man bei den Gerichten, die die Betreuung in Auftrag geben, erst nach drei Monaten Tätigkeit die erste Rechnung stellen kann. „Die Miete, die Fahrtkosten und die allgemeinen Kosten der Selbständigkeit wie Berufsverbandsbeiträge, Versicherungen usw. müssen ja trotzdem bezahlt werden“ sorgte sich Zwinzscher. Deshalb suchte sie sich noch einen Job als Nachtbereitschaft in einer Rehaklinik, um die erste Zeit zu überbrücken.

Seit September letzten Jahres ist Frau Zwinzscher nun selbstständig. Ihre erste Einschätzung ist rundum positiv: „Ich würde den Schritt immer wieder tun, finde es sogar schade, den Schritt nicht schon früher getan zu haben.

Ich kann meine Arbeit, also den Umgang mit Menschen, die Hilfe brauchen, so gestalten, wie ich es für richtig halte und wie ich es für mich selber oder meine Angehörigen und Freunde wünschen würde. Und ich kann mir meine Arbeit einteilen, auch wenn nicht alles geht und leider auch nicht alles auf einmal.“ Da sie nun die ersten Rechnungen stellen kann, hofft sie, dass es sich für sie ab jetzt auch finanziell rechnet.

Ihre Zukunftschancen schätzt sie als sehr gut ein. Sie versichert, bereits jetzt so viel Arbeit zu haben, dass der Tag ein paar Stunden mehr haben könnte. Es gebe immer mehr Menschen, die betreut werden müssten, weil sie alleine leben. Das sei ein gesellschaftliches Problem. Die Familienbindungen würden zerbrechen, viele Familien weit auseinander gerissen, häufig sei keine Zeit mehr im Arbeitsleben, sich um bedürftige Verwandte zu kümmern. Ein wichtiger Punkt sei auch, dass die häusliche Betreuung und Pflege von Angehörigen viel zu wenig Wertschätzung erfahre.

Heute lebt Diana Zwinzscher mit zwei Katzen und diversen Fischen auf dem Land, nicht weit von der Ostsee. Ihre drei Kinder stehen teilweise schon im Beruf oder machen eine Ausbildung oder ein Studium. „In meiner Freizeit bin ich begeisterte Bogenschützin und Mittelalterfan und gehe gerne im Schwarzwald wandern.“ Und über ihre Zusammenarbeit mit den Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein fasst sie zusammen: „Das war eine sehr gute Idee, mich dort zu melden. Ich konnte unter vielen hochkompetenten Mentoren den richtigen für mich finden und da die Hilfe ehrenamtlich ist, konnte ich sie mir auch leisten. Ich empfehle jedem in einer ähnlichen Situation sich an die Mentoren zu wenden.“