Deutschland braucht mehr Gründer

Tiefstand bei Existenzgründungen – Wege aus der Flaute

Die Politik sucht im Moment vermehrt die Nähe zur Start-up-Szene: Erst kürzlich trafen sich Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und Bundeskanzlerin Angela Merkel mit jungen Web-Unternehmern in Berlin und im Silicon Valley. Der Rückenwind der Politik ist auch nötig: Um die Flaute bei den Existenzgründungen zu überwinden, braucht Deutschland weniger Bürokratie, mehr privates Kapital und mehr Akzeptanz für Unternehmertum.

 Gründungsinteresse hat insgesamt nachgelassen

Im Jahr 2012 führten die IHKs rund 250.000 Gespräche mit Existenzgründern – fast ein Viertel weniger als im Jahr zuvor. Das geht aus dem neuen DIHK-Existenzgründungsreport hervor. Hauptgrund für den Rückgang: Durch die weiterhin gute Arbeitsmarktlage sank die Zahl der Gründungen aus Arbeitslosigkeit heraus. Die strengere Gründungsförderung für Arbeitslose hat zusätzlich dämpfend gewirkt. Nicht per se eine schlechte Entwicklung, denn „Notgründungen“ scheitern häufiger, weil es an innerer Überzeugung, kaufmännischen Kenntnissen und guter Vorbereitung hapert. Und so berichten die IHKs denn auch, dass die Qualität der Gründungsvorhaben 2012 deutlich besser geworden ist: Die Gründer kennen ihre Branche genauer, können den Kundennutzen ihres Angebots klarer einschätzen, und die Finanzierung ist oftmals besser durchdacht.

IT-Start-ups – nur kleiner Ausschnitt der Realität

Im Vergleich zum Durchschnitt aller Gründer schaffen Hightech-Start-ups nach fünf Jahren doppelt so viele Arbeitsplätze. In manchen Städten gibt es mittlerweile eine vitale Szene insbesondere innovativer IT-Start-ups. Sie profitieren von Netzwerken aus Geschäftspartnern, Investoren, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Doch die IT-Start-ups stellen gerade einmal drei Prozent aller Gründungen. Die meisten Neuunternehmer sind mit einfachen Konzepten auf lokalen Märkten unterwegs.

Das muss in die Wahlprogramme

Für einen wettbewerbsfähigen Mittelstand sind mehr Gründungen nötig, die kontinuierlich neuen Schwung bringen. Denn schon demografiebedingt wird es bald deutlich weniger Unternehmen geben. Das kann sich Deutschland im internationalen Wettbewerb nicht leisten. Ein gutes Gründungsklima braucht:

  • … weniger Bürokratie. Gerade international orientierten IT-Start-ups hilft es, wenn sie in den Amtsstuben ein Angebot in englischer Sprache finden. Zudem sollte eine EU-Empfehlung umgesetzt werden: Gründer sollen alle nötigen Informationen an einem Ort erhalten können. In Deutschland eignen sich hierfür die Startercenter der IHKs, die bereits ein Servicebündel anbieten – von der Erstauskunft über den Businessplan-Check, Hilfen bei der Finanzierung und bei Förderanträgen bis hin zur Gewerbeanzeige.
  • … mehr privates Beteiligungskapital, etwa durch bessere steuerliche Verlustverrechnung und einen rechtssicheren, gesetzlichen Rahmen für Investoren. Das würde Investments in Hightech-Projekte deutlich attraktiver machen.
  • … mehr Akzeptanz für Unternehmertum. Dazu müssen alle gesellschaftlichen Akteure beitragen, insbesondere Schulen, Hochschulen und auch Unternehmer als Vorbilder. Die Diskussionen um höhere Steuern bei Einkommen, Vermögen und Erbschaften tragen indes nicht dazu bei, Unternehmertum in Deutschland attraktiver zu machen.

Zahlreiche weitere Vorschläge für ein besseres Gründerklima enthält der DIHK-Gründerreport 2013.